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ARNOLD UMFORMTECHNIK bereitet sich auf Wasserstoff-Ära vor

  • Verbindungsspezialist ARNOLD sieht großes Potenzial für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie bei Nutzfahrzeugen, Schiffen und Lokomotiven
  • Wärmeversorgung im Werk Dörzbach kann auf grünen Wasserstoff umgestellt werden und somit den CO2-Fußabdruck in der Produktion deutlich senken
  • Intensiver Austausch zum Thema Wasserstoff im Kocherwerk Ernsbach

Die Zukunftstechnologie Wasserstoff gewinnt auch in der Region an Fahrt. Vor welchen Herausforderungen die Wasserstofferzeugung und -anwendung derzeit trotzdem steht, das war am Dienstag, 16. April 2024, in vielen Facetten Thema im Kocherwerk – Haus der Verbindungstechnik in Forchtenberg-Ernsbach. Das sächsische Wasserstoff- und Innovationscluster HZwo hat dort gemeinsam mit ARNOLD UMFORMTECHNIK und weiteren Partnern einen Potenzialworkshop für produzierende Unternehmen veranstaltet. Unterstützt wurde das Treffen vom Cluster Brennstoffzelle BW der Innovationsagentur des Landes e-mobil BW, von der Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn (WFG) und dem Transformationsbündnis aus der Automobil- und Zulieferindustrie cH2ance.

Die Zukunftswerkstatt im Kocherwerk hat gezeigt, dass es keine Berührungsängste bei dem Thema gibt. Auch Wettbewerber kamen hier zusammen und tauschten sich aus, etwa die Ventilhersteller Müller coax, Bürkert und GEMÜ oder die Verbindungsspezialisten TOX und ARNOLD. „Nur wenn wir uns vernetzen, werden wir neue Antworten auf die bekannten Fragen finden“, sagte ARNOLD-Entwicklungschef Uwe Wolfarth, der gemeinsam mit dem Energiemanagementbeauftragten Tobias Irouscheck über Potenziale und Chancen der Wasserstofftechnologie beim Fahrzeugbau berichtete.

In der ganztägigen Veranstaltung gab es viele exklusive Einblicke, etwa von Jan-Michael Grähn von der Robert Bosch GmbH, Manfred Dzubiella vom Heizungshersteller Viessmann, Professor Thomas von Unwerth von der Technischen Universität Chemnitz oder Dr. Daniela Lindner vom Deutschen Zentrum für Luft-und Raumfahrt (DLR) in Lampoldshausen. Immer wieder wurde deutlich, dass die politischen Akteure auf deutscher und europäischer Ebene weiterhin gefordert sind, vorteilhafte Rahmenbedingungen für Produktion und Einsatz des grünen Energieträgers Wasserstoff zu schaffen. Für die wirtschaftsstarke Unternehmenslandschaft im Hohenlohekreis und der übrigen Region Heilbronn-Franken eröffnen sich durch den grünen Energieträger jedenfalls vielversprechende Perspektiven.

Warum ARNOLD an die Zukunft des Wasserstoffs auch im Mobilitätssektor glaubt und wie sich das Unternehmen darauf vorbereitet, das beschreibt Entwicklungschef Uwe Wohlfahrt in einem Interview am Rande der Veranstaltung im Kocherwerk.

„Wenn sich der Wasserstoff-Antrieb durchsetzt, sind wir dabei“"

Die Umstellung auf nachhaltige Mobilität ist für den Verbindungstechnik-Spezialisten ARNOLD UMFORMTECHNIK aus Forchtenberg eine Herausforderung. Während das Ende des Verbrennungsmotors noch nicht absehbar ist, sieht das Unternehmen im Wasserstoffantrieb derzeit großes Innovationspotenzial - wie bei einem Netzwerktreffen des Wasserstoffclusters HZwo am Dienstag im Kocherwerk in Ernsbach deutlich wurde. Im Interview spricht Uwe Wolfarth, Senior Director für F&E bei ARNOLD, über die Besonderheiten dieser Antriebsart und wie Emissionen entlang der Wertschöpfungskette reduziert werden können.

Interview mit Uwe Wolfarth, Senior Director R&D, Startups and IP, ARNOLD UMFORMTECHNIK

Die Elektromobilität hat sich noch nicht vollständig durchgesetzt, aber bei ARNOLD UMFORMTECHNIK spricht man bereits über Wasserstoff als alternative Antriebsform. Ist das nicht mutig, Herr Wolfarth?

Uwe Wolfarth: Nein. Wir sprechen vielleicht erst heute darüber. Aber wir beschäftigen uns schon seit rund sieben Jahren damit. Damals zeichnete sich die grundlegende Veränderung in der Mobilität ab. Wir haben uns aber nicht nur mit dem E-Antrieb beschäftigt, sondern auch mit der Brennstoffzellentechnik.

Heute, sieben Jahre später, wird in Hohenlohe gerade einmal eine erste Wasserstofftankstelle errichtet. Setzen Sie also auf das richtige Pferd?

Uwe Wolfarth: Wir setzen weiterhin auf Elektromobilität, sind uns aber auch sicher, dass diese nicht alle Anforderungen erfüllen kann. Vor allem bei Nutzfahrzeugen, Schiffsantrieben und Lokomotiven bietet Wasserstoff aufgrund seiner Energiedichte unschlagbare Vorteile. Wir wissen auch, dass Wasserstoff nicht die Antwort auf alle Fragen ist. Das Bessere ist oft der Feind des Guten. Aber wenn sich der Wasserstoff-Antrieb durchsetzt, sind wir dabei.

Glauben Sie an einen Erfolg der Wasserstoff-Pkw?

Uwe Wolfarth: Sicher nicht kurzfristig. Wenn irgendwann ausreichend grüner Wasserstoff vorhanden ist, dann werden sich Wasserstoff-Pkw aber vielleicht auch noch durchsetzen.

Benötigen Wasserstofffahrzeuge denn spezielle Verbindungselemente?
Uwe Wolfarth: Ja und nein. Im Kern, dem sogenannten Brennstoffzellen-Stack, gibt es wenige Verbindungselemente. Es gibt jedoch um diesen Stack herum zahlreiche andere Baugruppen und Anbauaggregate, bei denen bekannte Werkstoffe und viele Verbindungselemente benötigt werden.

Sind spezielle Werkstoffe oder Beschichtungen erforderlich, um den Anforderungen gerecht zu werden?
Uwe Wolfarth: Immer dann, wenn Bauteile mit Wasserstoff in Kontakt kommen können. Es ist tatsächlich eine Herausforderung, diese speziellen Werkstoffe wirtschaftlich umformbar zu machen. Aber das ist unsere Kernkompetenz. Wir warten grundsätzlich nicht ab, bis eine Technik marktreif ist, sondern arbeiten schon Jahre vorher an den Grundlagen mit. Das war so bei der Normung der Schrauben vor mehr als hundert Jahren und das ist jetzt so bei Wasserstoffantrieben. Innovationsfähigkeit ist Teil der DNA unseres über 125 Jahre alten Unternehmens.

Die Nachhaltigkeitsziele betreffen nicht nur die Mobilität. Wie kann die Produktion klimafreundlicher gestaltet werden?
Uwe Wolfarth: Ein großer Teil unserer CO2-Emissionen entsteht durch die Verarbeitung von 25.000 Tonnen Stahl pro Jahr, aus denen wir über 5 Milliarden Einzelteile herstellen. Wir arbeiten mit unseren Lieferanten daran, diese Emissionen zu reduzieren. Unsere Umformtechnik benötigt zwar wenig Energie, aber Wärme- und Galvanikbehandlungen tragen derzeit noch erheblich zur CO2-Belastung bei. Sobald grüner Wasserstoff verfügbar ist, könnten wir die Wärme, die derzeit mit Erdgas erzeugt wird, CO2-neutral erzeugen. Dafür ist alles vorbereitet, die Umstellung wäre sofort möglich.

Könnten Sie Wasserstoff nicht auch selbst herstellen?
Uwe Wolfarth: Das ist zwar noch nicht alles spruchreif, aber definitiv Teil unserer Überlegungen. In Zusammenarbeit mit unserer Konzernmutter, der Adolf Würth GmbH & Co. KG, und anderen Produktionsgesellschaften unseres Geschäftsbereichs  wird an einem Windenergie-Projekt gearbeitet. Wenn man an eine Windkraftanlage einen Elektrolyseur anschließt, könnte man mit überschüssigem Windstrom Wasserstoff erzeugen – ähnlich wie es das DLR und die Zeag in Lampoldshausen hier in der Nähe bereits seit einigen Jahren tun.

In der Region tut sich bereits einiges. Das zeigt auch das Netzwerktreffen, das ARNOLD gemeinsam mit dem Wasserstoffverbund HZwo hier im Kocherwerk veranstaltet.

Uwe Wolfarth: Das ist richtig. Mit Müller coax, und Bürkert waren unsere Nachbarn aus dem Kochertal dabei, aber auch Kunden wie Bosch, diverse Hochschulen und Universitäten, die Kollegen von HZwo aus Chemnitz sowie Vertreter verschiedener Projekte, die unter anderem bei der Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn und beim DLR verantwortet werden. Wir alle haben Interesse daran, Wasserstoff einzusetzen. Dafür muss er jedoch verfügbar sein.

Was erwarten Sie also von der Politik?
Uwe Wolfarth: Es ist jetzt wichtig, die Wasserstoff-Infrastruktur auszubauen und grünen Wasserstoff verfügbar zu machen. Ich hoffe auf Zusammenarbeit mit anderen Ländern und Regionen, wo die Herstellung von Wasserstoff in großen Mengen kostengünstiger ist als bei uns. Das könnte auch für die Bewohner dieser Länder positive Entwicklungen in Gang bringen. Ich bin optimistisch.

Wie unterstützt Würth Ihre Bemühungen in Richtung Nachhaltigkeit?

Uwe Wolfarth: Wir genießen hier die volle Unterstützung durch unsere Konzernmutter und die Familie Würth – gerade bei den Großinvestitionen. Jüngstes Beispiel ist der Neubau am Standort Rauhbusch hier in Forchtenberg. Dort setzen wir, was den Umgang mit Energie angeht, Standards. Das ist in dem Umfang nicht selbstverständlich. Aber der gesamte Konzern will die Nachhaltigkeitsziele erreichen.

Uwe Wolfarth (58) ist 2008 von der Würth-Tochter Schraubenwerk Gaisbach (SWG) zu ARNOLD UMFORMTECHNIK gekommen. Acht Jahre lang war er dort verantwortlich für Vertriebs- und Entwicklungsthemen, hat unter anderem die Leichtbau-Fügetechnik für den VW Passat entscheidend mitentwickelt. Seit 2016 ist er als Senior Director R&D, Startups and Intellectual Property (IP) in der Geschäftsleitung für Forschung und Entwicklung sowie interne Startups verantwortlich.